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CASA LUNA

Ein Zuhause für Schwangere und minderjährige Mütter mit ihren Kindern

Weser Kurier, vom 26.04.2004.
Von Tatjana Kolke, Nathalie Heins und Natalia Kolke.

"Viel größerer Druck, gute Mutter zu sein"

Nach der Geburt ihrer Tochter lernt die 17-jährige Charlotte, ihrer neuen Aufgabe gerecht zu werden.


Maggie schläft draußen im Kinderwagen, damit sie die ersten Sonnenstrahlen mitkriegt. Die Casa Luna, Heim für minderjährige Schwangere und Mütter, liegt von den Bäumen in den Vorgärten beschattet in einer kleinen, stillen Straße. Von der Küche aus wacht Maggies Mutter, Charlotte Franz, unablässig über jede Regung des Babys - obwohl sich zwei Betreuerinnen nur einen Schritt entfernt sonnen. Sorgsam teilt die 17-Jährige ihre Aufmerksamkeit zwischen dem, was sie gerade tut, und ihrer dreimonatigen Tochter - so, als wäre sie mit einer unsichtbaren Nabelschnur über die Geburt hinaus an sie gebunden."Alle haben mir gesagt, ich soll abtreiben", erinnert sie sich. "Ich hatte auch schon einen Termin, aber einen Abend vorher habe ich es mir noch anders überlegt. Ich konnte das nicht." Charlotte ist ein wenig blass, bläuliche Schatten unter ihren Augen erzählen von durchwachten Nächten. Doch wenn sie von Maggie spricht, liegt eine Kraft in ihrer Stimme, die beweist, wie sehr sie entschlossen ist, für ihre Tochter alle Anstrengungen zu bewältigen. Um die nötige Starthilfe für den verfrühten Aufbruch ins Erwachsenen-Leben zu erhalten, ist sie in die Casa Luna gezogen: "Ich wollte Mutter werden, nicht Schwester. Ich wollte mein eigenes Leben." Zuhause hätte ihre Mutter ihr vielleicht zu stark unter die Arme gegriffen, einen Teil der Mutterrolle übernommen. Doch Charlotte wollte es alleine schaffen - sicher, mit der Hilfe der Betreuer, aber in eigener Verantwortung. Dennoch musste sich das Bewusstsein über ihre große Aufgabe erst entwickeln: "Ich war schon sehr naiv", sagt sie heute. "Wenn man schwanger ist, denkt man an ein kleines, süßes Baby, aber nicht an die Sachen, die man regeln muss, wie Versicherungen, oder was ist, wenn das Kind mal krank ist." Ihr Gefühl, als sie ihre Tochter nach der Geburt zum ersten Mal gesehen hat, beschreibt sie als "Schock": "Ich habe mich weder gefreut, noch war ich traurig. Es war mir vorher nicht bewusst, dass es jetzt für immer bei mir ist, dass ich mich für immer darum kümmern muss. Das kann man sich gar nicht vorstellen, wie das ist. Und dann war da auf einmal ein fertiger Mensch." Maggie ist gezeugt worden, weil Charlotte die Pille unregelmäßig nahm: "Es ist eben passiert. Einfach so", sagt sie und wechselt das Thema. Mittlerweile habe sie sich gut arrangiert. Wenn sie in die Schule geht, kümmert sich eine Tagesmutter. Und wenn sie weggehen will, springt ihre Mutter als Babysitter ein: "Ich war noch nie so der Disko-Gänger", fügt sie an, daher seien die Einschränkungen für sie kein großer Verzicht. Charlotte hat sich zwei Dinge vorgenommen: Im Moment arbeitet sie an ihrem erweiterten Hauptschulabschluss. Danach soll eine Ausbildung kommen, vielleicht der Realschulabschluss oder sogar das Abitur. Und sie will Maggie eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen. "Wir jungen Mütter haben einen viel größeren Druck, gute Mütter zu sein", betont sie. "In der Öffentlichkeit gucken alle, viel mehr als bei einer 30-Jährigen. Außerdem beobachten die Behörden uns ständig und immer besteht die Gefahr, dass man uns die Kinder wegnimmt." Auf der anderen Seite sei dieser Druck gut: "Denn ich versuche wirklich, alles richtig zu machen, damit ich Maggie behalten kann."
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