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KRIZ

Bremer Zentrum für Jugend- und Erwachsenenhilfe e.V.

Weser Kurier, Zisch, vom 15.3.2004.
Von Tatjana Kolke, Nathalie Heins und Natalia Kolke.

"Endlich bin ich von meiner Mutter weg"
Überlebensgeschichten von Jugendlichen - gesammelt in einem Buch

"Ich wohne in einem Haus, in dem viele Alkoholiker, Alte und soziale Wracks leben, die - so wie ich - vom Sozialamt hier einquartiert wurden. Aber ich bin ein umgänglicher Mensch. Ich habe gerne Kontakt. Vor zwei Jahren habe ich die komplette Elektrik in 'nem Restaurant namens Milano gemacht und nichts dafür verlangt. Denn mein Motto ist "Eine Hand wäscht die andere - und beide bleiben dreckig". Seitdem kann ich da umsonst essen. Von mir kann man alles kriegen. Als ich bei einer Firma in der Auslieferung gearbeitet hab, haben wir immer alte Waschmaschinen gekriegt. Die hab ich repariert und wollte das große Geld damit machen. Ich hab auch zwei verkauft - für 'n Appel und 'n Ei. Und acht Stück verschenkt. Eine Zeit lang war ich auch obdachlos. Aber ich habe es nie wirklich gemerkt, da ich immer einen Schlafplatz bei Freunden hatte. Nachdem ich die Schule mit 'nem guten Hauptschulabschluss beendet hatte, habe ich eine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker angefangen, die ich aber abgebrochen habe, als ich noch bei meiner Mutter gelebt habe. Zu viel Stress. Mit sechzehn oder siebzehn haben die mir vom Sozialamt Kriz angeboten. Im Kriz habe ich Andreas kennen gelernt, den ich mittlerweile als Kumpel ansehe. Andreas hat mir oft aus der Scheiße geholfen, als ich zum Beispiel damals mit Hasch erwischt wurde und mit Kfz-Aufbruch und Diebstahl vor Gericht stand. Durch seine Hilfe konnte ich eine Lehre als Elektroinstallateur bei einer Ausbildungskooperative, der AUCOOP, machen. Mittlerweile bin ich endlich von meiner Mutter weg und habe jeglichen Kontakt zu ihr abgebrochen."

Dies ist ein gekürzter Auszug des Textes "Reichtümer kann ich nicht mitnehmen" von Michael (25). Der Text gehört zu dem Buch "Ich habe nie als Mensch gezählt" von Angelika Sinn. Sehr offen und in behutsam bearbeitetem Originalton erzählen junge Menschen von ihrer Kindheit und vom Erwachsenwerden. Es sind fünf (Über-)Lebensgeschichten, an denen das Kriz viel mitgewirkt hat.

"Und so zeigt der Band gleich einen zweifachen Erfolg auf, die gelungene Bewältigung krisenhafter biographischer Prozesse einerseits und das Gelingen sozialpädagogischer Arbeit andererseits", schreibt Friedhelm Ackermann in seiner Rezension. Durch das Buch kann man sich besser in die Probleme Jugendlicher hineinversetzen, und es eröffnet uns einen besonderen Einblick in deren Leben.

Überlebensgeschichten von Jugendlichen.
Herausgegeben von Kriz - Bremer Zentrum für Jugend- und Erwachsenenhilfe e.V., 96 Seiten, 1999, 10,50 Euro, ISBN: 3-931737-88-8, erschienen im Donat-Verlag, Bremen.
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